Einführung Hotel Levalois d'Escoville1
Baugeschichte
Sitz der Akadémie
SchicksalGleich nachdem es dem Jean de la Bigne abgekauft worden war, wurde das Haus 1531 abgerissen.
1533 entstanden der dem Hofeingang gegenüberliegende Pavillon und der daran senkrecht angrenzende Trakt, wie es den Jahreszahlen zu entnehmen ist, die an den Fensterkreuzen eingemeisselt sind. 1537 entsteht der grosse Trakt, der die Hauptfassade an der Place Saint-Pierre bildet.
Während der Bauarbeit fand man in den Fundamenten eine beträchtliche Menge Quecksilber und Zinn, soviel dass man davon einen „vollen Topf" bekam. Die einen glaubten es auf einen Metallgang zurückführen zu können, andere aber vermuteten, dass ehemals ein Apothikar hier seine Behausung hatte.Wer war der Architekt ? Es gibt verschiedene Vermutungen :
- es könnte sich um einen geschickten Baumeister handeln, der auch die Schlösser von Fontaine-Henry und Lasson erbaut hätte, sowie das Hôtel Duval de Mondrainville in Caen und noch weitere Renaissance-Gebäude der Normandie.
- vielleicht war es Hector Sohier, der vortreffliche Erbauer der in nächster Nähe liegenden Apsis von Saint-Pierre, wo auch eine grosse Anzahl gleichartiger Einzelheiten aufzuspüren sind.
- letzten Endes wäre der architektonische Entwurf dem Baumeister aus Caen, Blaise Leprestre, zuzuschreiben, dessen Ruf im 17. Jh. Recht ansehnlich war. Jedenfalls wird der Haupteingang, der den Innenhof mit der Place Saint-Pierre verbindet, diesem Meister ohne Vorbehalt zugesprochen in einer Schrift von Cahaignes, was auch vielleicht den Schluss nahe bringt, dass die gesamte Fassade an der Place Saint-Pierre, als letzter 1537 errichteter Trakt, ihm zu verdanken wäre.Wer waren die Bildhauer ? Wahrscheinlich waren einheimische Skulptoren an den Verzierungen beteiligt, zweifelsohne aber sind die grossen Figuren von Judith und David, so eng verwandt mit ähnlichen florentinischen Darstellungen aus derselben Zeit, Werke italienischer Künstler.
Nach dem Tod des Nicolas de Valois übernimmt der älteste Sohn Louis den Titel Sieur d‘Escoville Valois und wird Grand Seigneur de Normandie in der Stadt Caen. Er nimmt von dem Hôtel Besitz, das ihn jedoch bald verdriesst, so dass er es aufgibt und lediglich darauf bedacht ist, aus dem herrlichen Haus Gewinn zu schlagen.
So komm es, dass 1574 die Stadt Caen das Gebäude mietet, um den Comte de Montmorency während seines Aufenthaltes in der Stadt unterzubringen, wie es auch später für andere grosse Herren der Fall sein wird und vor allem für Charles de Matignon, Generalstatthalter der Normandie. Übrigens finden sich schon damals im Erdgeschoss des auf die Place Saint-Pierre zugewandten Traktes einige Kaufladen.
Am Anfang des 17. Jhs. verkauft Jean de Valois, der Enkel des Nicolas, das Hôtel an Guillaume Moisant, einen wohlhabenden Kaufmann aus Rouen, der durch den Tuchhandel reich geworden war und sich nach einem ruhigen Lebensabend in Caen sehnte.
Sein Sohn Jacques Moisant lässt sich in Caen nieder, um sein Leben ganz den schönen Wissenschaften zu widmen. Er pflegt allwöchentlich montags Versammlungen zu veranstalten and der Place Saint-Pierre. Es treffen sich da müssige und gebildete Männer, die auf die Ankunft der Post aus Paris warten.
Gelegentlich, zumal bei ungünstiger Witterung, finden die Versammlungen wie selbstverständlich im nahegelegenen Haus des Jacques Moisant statt, das anfangs als Zufluchtsort dient und dann zum beständigen Sitz wird, als 1652 die Akademie der Künste und Schönen Wissenschaften entsteht, für die Jacques Moisant einen der schönsten Räume seines Hauses als Versammlungssaal zu Verfügung stellt.Wie bereits sein Vater, bewohnte Jacques Moisant nur einen Teil des geräumigen Hauses, und es blieb Platz genug übrig, das die Stadtverwaltung den in Caen vorbeikommenden grossen Würdenträgern als Aufenthaltsmöglichkeit und auch hohen Stadtbeamten zu Verfügung stellen konnte.
So war zum Beispiel 1614 der Ganeralstatthalter Monsieur de Matignon bei seinem Besuch in diesem Haus einquartiert worden, so dass man später von dem Hôtel de Matignon sprach antatt des Hôtel du Grand Cheval.Nach und nach nützt die Stadt verschiedene Gelegenheiten wie z.B. die Aufhebung des Ediktes von Nantes und das Exil von Robert de Moisant nach Holland, um sich Teile des Hauses anzueignen, was auch dazu führte, dass der aufwendige materielle Unterhalt des Gebäudes gesichert werden konnte.
Um es kurz zu fassen, bestimmte es die Stadtverwaltung zum Rathaus, was sich auch mehrere Vereine zunutze machten, namentlich die Musikakademie, die so in den grossen Räumen Konzerte veranstalten konnte.
1750 wurden auch die Sitzungen der Akademie der Künste, Wissenschaften und Literatur wieder aufgenommen unter dem Einfluss des Herrn Fontette, der zum Beschützer der Akademie ernannt wurde, wie aus der Geschichte der Akademie zu entnehmen ist.Nach dem Tod von Alexis de Touchet verkaufte dessen Witwe, Catherine Moisant, alleinige Inhaberin eines noch bedeutenden Teiles des Hauses, den Rest des Gebäudes, nämlich den linken Trakt, an die Stadt, die vorhatte, das Konsular-Gericht darin unterzubringen. Es kam jedoch nicht dazu, und so wurde dieser Teil des Hauses während der Revolution nur für kurze Zeit zum Postamt, bevor er an mehrere Gutsbesitzer verkauft wurde am 8. Vendémiaire des Jahres V (29. September 1795).
Dann wurde es als Warenhaus benutzt.
Der rechte Flügel beherbergte nacheinander das Konsular-Gericht und die Stadtbehörden (bevor letztere im Seminar der Eudisten-Patres untergebracht wurden), dann die Handelsbörse, die Handelskammer von Caen nebst Handels- und Gewerbegericht. Ab 1827 gab es zuweilen auch wieder Konzerte nach dem Einzug der Philharmonischen Gesellschaft des Calvados. Auch die Kunstgesellschaft ist zugegen.Heute befindet sich das Verkehrsbüro in diesen Mauern, und so erhält sich die Tradition, das Hôtel im Stadtzentrum der Öffentlichkeit nützlich zu machen.
Ein wiederentdeckter und restaurierter Kamin